Felix

HAUS AM GERN

CAMOUFLET
29.08.2017 - 29.10. 2017


Lieber Paul,
cogito ergo sum war gestern, heute weiss ich es besser. Bis anhin war ich überzeugt, wenig beeinflussbar und mit
einem eher rationalen Geist gesegnet zu sein (gesegnet dürfte hier wohl die falsche Wortwahl sein), doch gestern
war ich in der Nationalgalerie und noch dazu in Trance, denn die Ausstellung zum Thema «Das bessere Ich» bot zu jeder vollen Stunde eine Hypnose Séance. Während die Teilnehmenden entspannt in ihre Sitzsäcke absackten,
wob eine weibliche Stimme mit monotonen Sprechmustern eine Öffnung zum Unterbewusstsein, in da wir in zehn zögerlichen Schritten abtauchten. Du kennst mich, das Loslassen des kritischen Verstandes fällt mir schwer, doch im Kontext einer Kunstausstellung liess ich es geschehen, schloss die Augen und gab mich dem retinalen Schauspiel hin, das meine gelangweilten Sehnerven produzierten.
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Trmasan Bruialesi (August 2017)


JULIA BODAMER

Through the Looking Glass
23.06.2017 - 18.08.2017

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Die Welt der Filme dient ihr schon seit langem als Katalysator für ihre künstlerische Praxis, ebenso wie die Auseinandersetzung mit den digitalen Medien. Für FELIX drehte sie nun einen Film, den sie anschliessend auf sechzig Filmstills destilliert hat. Der Film existiert nun nur noch in dieser hochkonzentrierten Form von aneinander gereihten Einzelbildern. Ein schwarzes Frame steht sowohl an erster und an letzter Stelle in der Abfolge und markiert den Anfang und das Ende des Films. Die chronologische Abfolge ist damit klar vorgegeben, und auch die Leserichtung vor Ort, bei der man um die Plakatwände von FELIX herumgehen muss, um den Film von Anfang bis zum Ende sehen zu können.
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Rebecka Domig (Juni 2017)


BEAT FELLER

plusminus
28.04.2017 - 16.06.2017

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André Malraux. Er beschrieb 1953 seine Idee des imaginären Museums, in dem Kunstwerke – unabhängig von ihrem reellen Standort, ihrer Grösse, oder Form – nebeneinander ausgestellt werden. Der Schlüssel zu dieser Präsentation liegt für Malraux in der Fotografie, die genau diese Aufhebung erlaubt. Die Abbildungen der fotografierten Werke können beliebig kombiniert und präsentiert werden. Malraux stellte sich vermutlich keine Plakatwand für sein Museum vor. Dennoch zeigt Beat Feller mit „plusminus“ eine Ausstellung im Sinne von Malraux. Einen frühsommerlichen Moment lang gibt es in Köniz ein imaginäres Museum zu entdecken. Zu sehen sind Illusionsskulpturen.
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Rebecka Domig (April 2017)


KLAUS WALTER

HYBRID
11.02.2017 - 16.04.2017


Wer auf diese Bilder schaut, sieht Bekanntes und kann, sich umblickend, dieses Bekannte – neue Gebäude in der Umgebung der Vidmarhallen, den Grenzbach zwischen den Gemeinden Bern und Köniz – auch gleich verifizieren. Bald aber schleicht sich Irritation ein. Der Blick zurück auf Walters Bilder zeigt Fremdes inmitten des Bekannten, Gebäude, die hier gar nicht stehen, nicht stehen können, selbst wenn die Bilder das überzeugend suggerieren. Die Bilder oder vielmehr ihre Ästhetik und Technik helfen auf die Spur. Da sind auf den eindeutig als fotografische Vorlagen identifizierbaren Blättern Verwischungen, da sind Striche von Blei- oder Farbstiften. Das sind also keine Abbilder des Ortes. Es sind neu komponierte städtische Orte und Räume.


Konrad Tobler (Februar 2017)


SABINE THOLEN

Le Terrier (der Bau)
03.12.2016 - 28.01.2017


Vor dem Fenster von Sabine Tholens Atelier ragt ein riesiger Baumstamm in die Höhe. Im Herbst fällt das Licht durch die gelbe Baumkrone gefärbt warm auf die Tische im Innenraum. “Ja, ich fühle mich hier drin manchmal schon wie ein Maulwurf,” lacht die Künstlerin. Die Räume liegen im Souterrain, wir sind auf einer Höhe mit den Baumwurzeln. Sie erzählt von Franz Kafka und seiner Erzählung über ein Tier, das sich in seinen Bau zurückzieht und aufgrund eines andauernden Geräusches paranoid wird. Sie hatte sich schon länger mit der Idee des Tunnels beschäftigt, als sie Kafkas Geschichte las, die wiederum zum Titelgeber für ihr Bild wurde. Diese Beklemmung und das Gefühl von Enge, das Kafka beschreibt, werden auch in der Fotografie spürbar. Ich sehe mir den Tunnel genauer an. Wenn ich mir versuche vorzustellen, wie es ist, in diesem Tunnel zu stehen, dann kommt mir kein Klang, kein Geruch dazu in den Sinn. Auch Bewegung kann ich keine darin entdecken. Stattdessen herrscht absolute Starre. Vielleicht überlege ich deshalb kurz ob das Bild echt ist, oder nicht doch gerendert wurde. Eine Annäherung an einen Tunnel, vom Computer errechnet, mit dem Ziel mein Auge zu täuschen. Computergeneriert? Aber nein, der grünliche Schimmer auf dem Spritzbeton ist echt. Die Präzision, die ich wahrnehme, hat mit Sabine Tholens Arbeitsweise zu tun. „Observation, Focalisation, Fragmentation, Recomposition,“ nennt die Künstlerin als vier Leitbegriffe für ihre künstlerische Praxis. Auch das Bild Le terrier (der Bau) geht über eine reine Naturaufnahme hinaus. Mit der zentralen Setzung des Fluchtpunkts erhält das Bild seinen Fokus, durch die Aufteilung auf zwei Plakate wird es fragmentiert und bei der Betrachtung wieder zu einem Bild zusammengefügt.


Rebecka Domig (November 2016)


PETER GYSI

Les rondelles pour Felix
03.09.2016 - 21.10.2016

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Denn die Plakatfläche ist vordergründig schlicht mit Ringen behängt. Und doch potenziert die einfache künstlerische Handlung die Wand auf mehreren Ebenen: So wirkt die Struktur wie eine ornamentale Belagerung, ein formelles in Beschlagnehmen, das sich rhythmisch nicht entschlüsseln lässt und sich aus der Ferne zu einem voluminösen Bildkörper vermengt. Die unzähligen weissen Schnüre, welche je einen Ring der Vorder- bzw. Rückseite mit einander verbinden, fügen sich als feine, filigrane Striche in dieses Bild. Zusätzlich erklingt die Installation durch die gegenseitige Berührung der Ringe und es bildet sich ein heller Klangteppich.

Gabriel Flückiger (August 2016)


BERNHARD HUWILER

… links und rechts
und auf und ab
und hin und her
und schwarz und weiss
und rundherum...

Performance vom 16. Juli 2016


BH: ...Die Zeichnung mit den schwarzen Klebestreifen soll sehr elementar sein: horizontale und vertikale Striche. Um den Prozess des Überzeichnens der Plakatwand nicht zu sehr in die Länge zu ziehen werde ich mehrere Helfer benötigen. Zwei für das Kleben der vertikalen Linien. Sie übergeben sich die Rollen mit dem Klebeband immer abwechselnd oben und unten auf die jeweilig andere Seite. So ergibt sich eine Bewegung auf und ab. Zwei weitere Helfer zeichnen die horizontale Linien, hin und her. Dies soll mit einem Motorrad geschehen, auf dessen Hintersitz der Rollenhalter sitzt. Das Motorrad umkreist die Plakatwand, rundherum.


Auszug aus einem Gespräch zwischen Sybille Omlin und Bernhard Huwiler im Vorfeld der Performance (Mai-Juli 2016)


GABRIEL FLÜCKIGER

Soleil/F12
07. Mai - 23. Juni 2016

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Unwissende mögen darin eine Ausgeburt vorstädtischen Vandalismus' erkennen; andere denken vielleicht insgeheim an Verschandelung und attestieren der Aktion offiziell und im Sinne des Zeitgeists zu wenig nachhaltigen Umgang mit Ressourcen; dritte wittern angesichts der auskragenden Gestänge und frei liegenden Kanten womöglich Verletzungsgefahr; vierte mögen das Werk als unfertig; fünfte als raffiniert und gewitzt ansehen. So individuell und mehrdeutig Gabriel Flückigers Plakatwandskulptur wahrgenommen werden mag, so vielschichtig und vieldeutig ist die Arbeit tatsächlich. Der Künstler spielt mit dem Potenzial der Irritation und verschiedensten Assoziationen, und gerade dies verleiht dem brachialen Werk der Zerstörung so ungestüme wie zarte, so kraftvolle wie fragile Facetten der Lebendigkeit.


Marc Munter (Mai 2016)


ROMY TROXLER

EASTON
07. März – 28. April 2016
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In Romy Troxlers Arbeit Easton entspricht die Ebene des Hintergrunds den gross angelegten Farbflächen, die sie in kontrastreichen, aber fein ausdifferenzierten Farben nebeneinandersetzt. Die Malerei ist dabei so lasierend, dass sie stellenweise beinahe den Blick auf den darunterliegenden Bildträger, ein Plakatpapier, freigibt. Dadurch erhält die Fläche eine Struktur, jene des Pinselduktus. Dieser wiederum nimmt die Horizontale der Plakatwand auf und unterstützt sie. Gleichzeitig wirkt die Struktur in der Ebene, die durch die kontrastreiche Farbigkeit der einzelnen Flächen gebrochen wird, wiederum verbindend. Die nächste Schicht bilden vertikal aufragende, deckend gemalte Linien, welche die Ruhe der gleichmässig rhythmisierten Grundfläche brechen. Die kühne Setzung dieser in jeder Hinsicht kontrastierenden Streifen nahm Romy Troxler erst vor, als die im Atelier gefertigten Farbflächen der ersten Ebene bereits auf die Plakatwand aufgezogen worden waren.
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Claudia Blank (März 2016)


REMO STOLLER

„STORY“

28. November 2015 - 28. Januar 2016

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Ein Sprecher sagt:
Ich sehe ein Bild.
Auf dem Bild sehe ich ein Boot. Das Boot schwimmt im Wasser, einem Gewässer, vielleicht im Meer.

Ein Sprecher fragt:
Ist die Form ausgewogen?
Wenn es ein Tier ist, ist es ein Hund? Eine Katze? Ein Vogel?

Ein Sprecher sagt:
In dem Boot befinden sich vier Figuren.
Zwei mit Rudern, zwei am Rande des Bootes.
Die Figuren tragen blaue Kleider. Aber nicht blau wie das Meer. Sondern dunkler.
Zwei Figuren halten eine dritte. Die schwimmt im Meer.
Das Wasser ist unruhig und aufgewühlt.
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Remo Stoller (2015)


PETER CLEMENS BRAND

mögliche Welten

23. Juli - 04. Oktober 2015

Da sind zunächst nur wenige Striche, eine knappe Zeichnung oder ein paar Worte zu sehen, die Peter Clemens Brand (*1972, lebt und arbeitet in Bern) mit Filzstift direkt auf die grossflächigen Plakatwände von FELIX gezeichnet hat: Zwei wulstige, mit Kreisen umringte Hände, die eigentümlich von oben ins Bild ragen; eine abstrakt wirkende, verzweigte Form aus Linien, die am einen Ende von einer quadratischen Fläche in Balance gehalten wird; ein kurzer, grotesk anmutender Sinnspruch: "nach dem tod kommt der garten mit bäumen voller roter äpfel" und rund um ein schlichtes "so" lauter zugemalte Worte, deren Bedeutung sich nur erahnen lässt.


Marc Munter (Juli 2015)


INES SCHÄRER

à l'abri des regards

22. Mai - 03. Juli 2015


Auf den vorgefundenen Bildern der VIDMAR türmen sich massive Metallschränke in Büroräumen wie schwergewichtige Installationen; auf anderen reihen sich Korpusse, Arbeitstische, Schreibmaschinen, Telefonapparate und weiteres Inventar in strenger, nahezu militärischer Anordnung. Stolz präsentieren sich die dickwandigen Tresortüren vor geöffneten Schliessfachanlagen, teilweise inszeniert mit Kunden und Bankiers. In ihrer Schwarzweissästhetik erinnern die Schauplätze tatsächlich an Standbilder alter Filme, mitunter an Sequenzen eines Kriminalfilms: vielleicht an einen gerissenen Banküberfall auf einen Banktresor und eine ebenso clevere Überführung der Täter im Polizeihauptquartier.
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Ines Schärer griff allerdings auf die Ästhetik der Alben zurück: Von den insgesamt 90 Aufnahmen zeigt sie eine repräsentative Auswahl von sechs Fotografien; jede auf der Hälfte einer Plakatfläche, die wiederum je eine Albumseite darstellen. Demnach bleiben zwei "Seiten" leer. An der Vernissage werden darauf weitere Bilder aus dem Fundus projiziert. In den Bilderfolgen der Projektionen wird das filmische Moment noch deutlicher. Sie künden von Geschichten gelüfteter oder für alle Ewigkeit verwahrter Geheimnisse hinter Tresortüren und in Aktenschränken. Ines Schärer macht sie für den alltäglichen Blick wie in einem aufgeschlagenen Buch sichtbar.


Marc Munter (Mai 2015)


SEREINA STEINEMANN

BORNHOLM

07.02.2015 - 12.04.2015


Für ihre gegenstandslose Farbkomposition setzte sie senkrechte Streifen in überwiegend frisch anmutenden Farben direkt auf das Aluminium. Es sind selbstbewusste Setzungen, klar und mit überzeugendem Gestus aufgetragen. Zugleich spontan und mit Freude am Kolorit gelangt die Farbe mittels eines breiten Pinsels auf den Malgrund. “Amsterdam”, die Acrylfarbe mit hoher Deckungs- und Leuchtkraft, so Sereina Steinemann, sei ihr schon seit geraumer Zeit ans Herz gewachsen und das Mischen von Primär- und Sekundärfarben zu einem liebgewordenen Ritual geworden. Die Farbnuancen mischt sie täglich neu im Atelier, doch die Amsterdamer Pigmente haben auch ihre Tücken: auf saugendem Untergrund wie Leinwand reagieren sie berechenbar; das Aluminium ist dagegen eine Herausforderung für die Farbe und die Künstlerin: Die Farbe trocknet schnell und man muss sie mehrmals auftragen. Das Malen wird zu einem Wettlauf gegen die Zeit, und zurück bleibt – vor allem in den dunklen Abschnitten – der Pinselstrich.


Marianne Wagner (Februar 2015)


SIMONE ZAUGG

UND SO WEITER

31.10.2014 - 18.01.2015

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Der Schriftzug „Machs na“ wurde schon um 1500 von Erhart Küng, dem Werkmeister des Berner Münsters, an einen Strebepfeiler unweit des Chors gemeisselt. Verstanden als Aufforderung „mach es nach, eine solche Kirche zu bauen“ ist sein eigentlicher transportierter Inhalt die allgemeine Forderung nach Mut zur „Imitation“, zum „Übertreffen“.
Durch den Transfer dieser Botschaft des 16. Jahrhunderts auf einen zeitgenössischen Plakatträger fordert Simone Zaugg die Betrachter ihres Graffitis auf, sie nachzumachen. Die weisse, freigelassene zweite Seite des Trägers kann deswegen als mögliche Freifläche für Sprayer gedeutet werden, als Einladung, sich mit der Künstlerin zu „messen“.
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Bernard Vienat (Oktober 2014)


RAMON FELLER

POINT OF VIEW

04. September 2014 - 16. Oktober 2014

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Hinter den Fenstern von naheliegenden Gebäuden werden Laserlinien erzeugt, die als farbige Punkte auf der Lein-wand enden. Gleichzeitig wird das Plakat vom Empfänger zum Sender und sendet zugleich das Empfangene wieder zurück. Während des Tages werden die kleinen Punkte kaum erkennbar sein, erst in der Dunkelheit werden die feinen Laserlinien sichtbar. Die Zeitgebundenheit, der Wechsel von Tag und Nacht, die Abhängigkeit vom Wetter spielt für die installative Arbeit eine wichtige Rolle. Die Wand wird klarer und physisch an einem Platz verortet, wird zentral eingebettet und verbunden mit ihrer Nachbarschaft. Die Bereitschaft der Nachbarn am Projekt teilzunehmen, bedeutet für den Künstler eine Möglichkeit differenzierter über öffentliche Plätze und Orte nachzudenken. Der permanente Lichtstrahl macht aus dem einmaligen Betrachten ein langfristiges Beobachten.
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Patricia Bianchi (September 2014)


STEFAN WEGMÜLLER

DIE ZUKUNFT INS HEUTE

27. Juni - 20. August 2014

Stefan Wegmüller bespielt FELIX im ursprünglichen Sinn der Plakatwand mit einer künstle-risch-politischen „Botschaft“. Sein Plakat ist ein Entwurf, ein provokatives Rohkonzept für ein mögliches Leitmotiv der Landesausstellung 2027, geprägt von den Fragen, wie eine derartige Inszenierung thematisiert werden könnte und wie in 13 Jahren die Repräsentation eines ganzen Landes überhaupt gelingen könnte. Sein Ansatz ist die Abschaffung des National-staates, die Auflösung der Grenzen soll als Neuschaffung gefeiert werden – wie es bereits Max Frisch 1955 mit seinem Konzept „achtung: die Schweiz!“ für die Expo 1964 im Sinn hatte. Die „Verteidigung“ der Landesgrenzen – geistig, politisch und militärisch – ist vor allem der Versuch von verhältnismässig wenigen, einheimischen Menschen möglichst viele, ausländi-sche Menschen fernzuhalten. Dieses Ansinnen entkräftete auch Ben Vautier mit seiner bild-gewordenen Behauptung „la Suisse n’existe pas“ an der Weltausstellung in Sevilla 1992, und in dieser Tradition lässt sich gleichsam Wegmüllers Parole verstehen. Die Potentiale von Aggression und Kreativität liegen dabei nahe beieinander – Prozesse, die der Künstler als äusserst aktive Momente artikuliert.

Marianne Wagner (Juni 2013)


GREGOR GRAF

vom Grunde losgerissen

25. April - 15. Juni 2014

Die Gletscher schmelzen, und weit und breit ist im Könizer Quartier Weissenstein/Neumatt kein Gletscher zu sehen. Aber der Künstler Gregor Graf (*1976 in Wien, lebt in Linz ) hat den Gletscher entdeckt. Wer sein Werk anschaut, steht auf Spuren des Gletschers, und wer sich umschaut, kann verarbeitete Spuren des Gletschers entdecken. Das ist die eigentliche Geschichte, die Gregor Graf mit seiner Kombination von Fotografie und Zeichnung anschau-lich macht, ohne die Geschichte explizit zu erzählen, ohne mit den Plakaten in die Falle des Plakativen zu tappen, auch ohne eine Art von didaktischem Schulwandbild zu zeigen. Er stellt nur fest. Er stellt dar.

Konrad Tobler (April 2014)


SARA GASSMANN

die Netze des Himmels sind weit

27.02.2014 - 17.04.2014

Zwei grossformatige Plexiglasplatten, waagrecht in die Halterung eingefügt, auf beiden Seiten bemalt. Technisch könnte das mit dem freilich merkwürdigen Begriff der Hinter- und Vorderglasmalerei umschrieben werden. Sara Gassmann führt damit in radikaler Weise Wahrnehmungsexperimente weiter, die sie bereits mit der Bemalung von Schaufenstern, etwa in Lausanne, erprobt hat. Malerei nimmt hier resolut und poetisch zugleich ihren Raum ein, behauptet, bestimmt ihn, spielt mit ihm.
(...)
Wenn es bei einer Installation eigentlich selbstverständlich wäre, dass man sich bewegt, um sie richtig zu sehen und wahrzunehmen, so ist beim Betrachten von Malerei nur selten bewusst, dass auch hier die Bewegung Teil des Sehens ist. Man muss den Standort wechseln, um die Malerei von Sara Gassmann sehen zu können. Nur wer bei der Betrachtung einmal ganz nahe geht, dann ganz fern steht, sich einmal nach links, dann in einem Bogen nach rechts wendet, wird sehen, was alles geschieht – ohne dass in Wirklichkeit etwas geschieht. Sehen heisst: sich bewegen. Erst wer sich bewegt, nimmt wahr. Und erst dann wird die Vielschichtigkeit der Malerei zur Vieldeutigkeit, die im Werktitel mitschwingt: «Die Netze des Himmels sind weit».

Konrad Tobler (Februar 2014)


ANJA BRAUN

SUPER UREKI

18.01.2014 - 23.02.2014
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Auf zwei beidseitig beklebten Plakatwänden präsentiert die Künstlerin Fotografien eines Objekts in Vorder- und Rückansicht. Wenn ein Plakat eine visuelle Botschaft darstellt, dann muss man sich fragen, welches Ding einem da eigentlich mit SUPER UREKI präsentiert werden soll. Ein Wunderteppich ist die Arbeit zunächst also, weil sie einen vor genau dieses Rätsel stellt. Ist es Werbung? Oder Design? Malerei? Oder eine Skulptur?

Die Plakatwände des Kunstortes Felix laden dazu ein, umrundet zu werden. Ich laufe also mal um die Plakatwände herum, und dann fünfzig Schritte zurück, fast bis zur Bahnschranke. Von hier sieht SUPER UREKI viel kleiner aus. Es lässt sich erkennen dass es zwei Magnete sind, an denen, in perfekten Feldlinien angeordnet, ein sandiges Material haftet. Je weiter weg ich stehe, desto mehr nehme ich auch den skulpturalen Charakter des Werks wahr. Von Nahem scheinen die fotografierten Magnete im Raum zu schweben, während sie aus der Entfernung betrachtet durch die Pfeiler in der Mitte der beiden Plakatwände getragen werden. So führen die Bildträger die Fotografie als Skulptur weiter.
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Rebecka Domig (Januar 2014)


PASCAL SCHÄRLI

SOUNDSCAPE FOR A BILLBOARD IN A LANDSCAPE WITH A SOUNDSCAPE

07.11.2013 - 05.01.2014

Pascal Schärli bespielt die Plakatwand Felix vor den Vidmarhallen mit einer Klanginstallation, die die unspektakuläre Geräuschkulisse des Neubau-Quartiers zum faszinierenden Verwirrspiel macht. Mit seiner Komposition erzeugt er einen virtuellen Raum, der die Grenzen des realen Raumes und der eigenen Selbstwahrnehmung sacht ins Wanken bringt.
(...)
Pascal Schärli, Medienkünstler und Komponist, belässt die Aluminiumflächen der Plakatwand im Rohzustand und bespielt Felix rein akustisch. Zwischen den dünnen Plakatwänden stecken kleine Lautsprecher, die die Wände zum Schwingen bringen. Aussen sind die Plakatflächen nackt. „Es sieht aus, als sei das Projekt gerade in den Ferien“, sagt Schärli. Für Besucher ist die unsichtbare Intervention ein spannender Trip in eine Welt aus Alltagsgeräuschen, die keineswegs alltäglich ist.

Alice Henkes (November 2013)

Audiovisuelle Dokumentation auf www.pascalschaerli.ch.


LILLI GÄRTNER & CHRISTINA GRANSOW

BRÄZEL

25.06.2013 - 25.10.2013

Nicht nur Pendler lieben Rätsel. Friedrich der Grosse und Voltaire sollen sich verschlüsselte Billets zugesandt haben, und dies nicht aus Sicherheitsgründen, sondern aus Spass am Grübeln. Das Rätsel ist ein Spiel, das zum Denken anregt. Es birgt in sich eine Botschaft, mag sie auch heiterer Art sein. Doch gleicht darin das Rätsel dem Kunstwerk, das seine Botschaft meist auch in verschlüsselter Form darreicht, um so das Denken des Betrachters anzuregen.
Lilli Gärtner & Christina Gransow bringen Kunst und Rätsel zusammen, indem sie die Plakatwand Felix mit Rätselplakaten bekleben. ... Die beiden Künstlerinnen, die sich beim Studium in Hamburg kennen gelernt haben und seither gelegentlich im Duo arbeiten, haben sich eine besonders kommunikationsfreudige Arbeit überlegt. Sie gestalten Rätsel verschiedenster Art – Kreuzworträtsel, Zahlenrätsel, Bilderrätsel – die auf Dinge Bezug nehmen, die ihnen im Quartier rund um die Vidmarhallen aufgefallen sind. Das können architektonische Details sein, Pflanzen, Tiere oder Namen. Gründlich haben Lilli Gärtner & Christina Gransow sich zur Vorbereitung ihrer Rätsel im Quartier umgeschaut. Gründlich haben sie auch die Kunst der Rätsel studiert, die eine trickreiche und vielfältige ist.

Alice Henkes (Juni 2013)